Genealogie der Familie Zinkgräf
 
   

Die frühesten Hinweise auf die Familie stammen aus den Bürgerbüchern der seit 1375 freien Reichsstadt Frankfurt am Main. Demnach wird dort anno 1463 ein "Henne Zinckgreve der junge" aus Bürgel bei Offenbach eingebürgert, weil er eine Frankfurter Bürgerstochter geheiratet hat. Wenn 10 Jahre später ein Johannes Zinggrafe, ebenfalls aus Bürgel, durch Heirat Frankfurter Bürger wird, dann könnte dies 'Henne der Ältere' d.h. der Vater gewesen sein, der als Witwer noch einmal geheiratet hat.

Über Philipp Zentcrafe (*1482), Hennes des Jüngeren Sohn, ist bereits mehr bekannt. Dieser wird nämlich als 11-Jähriger im Verlaufe eines Dauerkonflikts zwischen Vertretern des niederen Adels und der freien Reichsstadt Frankfurt als Geisel genommen und, da der Vater das geforderte Lösegeld nicht zahlen konnte oder wollte, erst durch Fürsprache des Bischofs von Würzburg und auf Weisung König Maximilians nach mehr als einem Jahr Gefangenschaft wieder freigelassen.

Philipp wird 1502 Frankfurter Bürger und ist in der Meisterliste der ersten Goldschmiedeordnung 1511 aufgeführt. Im Jahre 1505 heiratet er die aus Friedberg gebürtige Gertrud (Gele) Will(ius) und wohnt mit ihr in der Klappergasse.

Nach Philipps Tod, vor dem 29. März 1535, wird das Vermögen unter den Kindern Lorenz, Katharina, Johanngin und Elsgin aufgeteilt, wobei Nicolaus Willius, der Bruder der Mutter, als Vormund der beiden letztgenannten, minderjährigen Kinder auftritt.

Lorenz Zinkgreve wird vor 1508 als Sohn des Frankfurter Bürgers Philipp Zentcrafe geboren. Er stammte "aus einer angesehenen und ziemlich alten Familie aus Frankfurt und war Vorsteher der Münzarbeiten des Kaisers Maximilian II. und später des Pfalzgrafen Johann und seiner Söhne". Aus der Ehe mit seiner aus Meisenheim stammenden Frau gehen folgende Kinder hervor:

  1. 1. Laurentius oder Lorenz II (*Simmern 08.01.1541 † Heidelberg 25.06.1610)
  2. 2. Johann Eberhardt (*Meisenheim um 1550 † um 1616)
  3. 3. Johann Philipp (*Meisenheim um 1554 † Kaub 30.10.1614)
  4. 4. Otilia (*Simmern vor 1560 † Straßburg nach 1626)
  5. 5. Eleonore (*Simmern um 1560).

Eine Übersicht über die Anfänge der Kurpfalz/Simmern'schen Familie und ein Stammbaum des Laurentius Zinckgräff sind unter Stammbaum zu finden.

Laurentius Zinckgräff promoviert nach dem Studium in Straßburg, Wittenberg, Leuwen und Paris 1570 in Orléans zum Lizentiaten beider Rechte und wird am Kurfürstlichen Hof in Heidelberg unter Friedrich III. in die Zunft der Räte aufgenommen.

Zwei Jahre später wird Laurentius Zinckgräff vom reformierten Kurfürsten Friedrich III. dessen Sohn, dem Kurprinzen Christoph und seinen Truppen als Kriegsrat auf dem Weg in die Niederlande beigegeben, wohin sie zur Unterstützung Wilhelms I. von Oranien aufbrechen. In der für die niederländische Sache unglücklich ausgehenden Schlacht auf der Mooker Heide erleiden die Verbündeten 1574 eine empfindliche Niederlage, in der außer zwei Brüdern des Oraniers, die Grafen Heinrich und Ludwig von Nassau, auch Kurprinz Christoph fällt.
An die gefallenen Nassauer Grafen erinnert heute noch ein Relief an der Fassade und eine Gedenktafel in der alten St. Joris-Kirche in Heumen bei Nimwegen in der niederländischen Provinz Gelderland.

Ungeachtet dieser Ereignisse wird Laurentius in Heidelberg vom Kurfürsten wieder gnädig in sein Amt eingesetzt, das er bis kurz vor seinem Tode erfolgreich und treu ausfüllt. Obwohl er auch unter dem lutherischen Kurfürsten Ludwig VI. seinem reformierten Glauben treu geblieben ist, behält er seine Anstellung und erhält obendrein noch eine Gehaltserhöhung.

Laurentius Zinckgräff stirbt 1610, seine Witwe überlebt ihn um 10 Jahre. Das einzige die Eltern überlebende Kind ist der in der Heidelberger Augustinergasse, im Hause des späteren Universitäts-Karzers, geborene Julius Wilhelm Zincgref, Jurist, Schriftsteller, Dichter und Sammler denkwürdiger Aussprüche historischer Persönlichkeiten.

Die Laurentius'sche oder Simmerner Linie stirbt mit Julius Wilhelm II Zinckgräf, der als Kanzleidirektor für den Nassau-Siegener und den Nassau-Dillenburger Fürsten tätig war, 1738 in Dillenburg aus!

Über Johann Eberhardt Zinckgräff ist bisher sehr wenig bekannt.

Johann Philipp Zinckgräff bleibt dem Beruf seines Vaters Lorenz treu, wird Münzmeister und später auch Ratsherr in Simmern.
Als der Wild- und Rheingraf Otto von Kirn ihn auf dem oberrheinischen Probationstag 1594 als neuen Münzmeister präsentiert, erwähnt er nicht nur, dass Philipp Zinckgräff 'Herzog Reichards Münzmeister' in Simmern gewesen ist, sondern auch, dass er einer Familie entstammt, die im Elsass bei Colmar beheimatet war. Diese Information könnte darauf hindeuten, dass die ersten Zinckgräf, die aus Bürgel nach Frankfurt gekommen sind, tatsächlich aus dem Elsass stammen.

Johann Philipp Zinckgräff war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Sophia N.N. entstammt Johannes Zinckgräff (*um 1576), der Begründer der Neustädter Linie , ebenso wie Anna Maria Zinckgräfin, die den verwitweten Johann Leonhard Weidner, Schulfreund und Biograf ihres Vetters Julius Wilhelm Zincgref, heiratet. Ihre Tochter Sibilla Liesbeth heiratet Reijnier van Hattem aus Neder-Betuwe in den Niederlanden.

Aus der zweiten Ehe mit Anna Driss ist Johann Wolf(gang) Zinckgräff (*um 1612) hervorgegangen, der als Begründer der Weinheimer Linie und aus dieser hervorgehend der Heidelberger Linie der Familie gilt.
Johann Philipp Zinckgräff stirbt 1614 in Kaub, dem Heimatort seiner zweiten Frau, und wird dort als Bürger von Simmern beigesetzt.

Otilia Zinkgreff heiratet am 20. Sonntag nach Trinitatis 1577 in der Kirche St. Thomas zu Straßburg den Goldschmied Peter Dreier und lebt daselbst 1626 noch als Witwe, wie wir aus Briefen des Julius Wilhelm Zincgref wissen.

Eleonore Zinckgreff heiratet 1588 Christoph Schertz auf Weigelsdorf in Schlesien, wird Mutter des in Schlesien geadelten Kaspar von Schertz, Fürstlich Oelsnischer Rat († 1653) und ist somit unter den Ahnen großer europäischer Fürstenhäuser.

Die Fortsetzung der Familiengeschichte ist jeweils im Rahmen der Simmerner Linie, der Neustädter Linie, der Weinheimer Linie und der Heidelberger Linie zu finden.

 

Literatur:
 
Adam, M.    Vitae Germanorum Iureconsultorum et Politicorum, Heidelbergae 1620, p. 428-39
Andernacht D. und Stamm O.   Die Bürgerbücher der Reichsstadt Frankfurt 1311-1400, Frankfurt/M. 1955
Andernacht D. und Berger E.   Die Bürgerbücher der Reichsstadt Frankfurt 1401-1470, Frankfurt/M. 1978
Felke, G.   Die Münzen der Herzöge von Simmern, Simmern 1981
Friederichs, H. F.   Kleine Mitteilungen in "Frankfurt und die Welt" in der Hess. Familienkunde Bd. 5 (1960/61) S. 277-79
Koerner, B.   Deutsches Geschlechterbuch 58. Bd. und Kurpfälzisches Geschlechterbuch 1. Bd., Görlitz 1928
Lück, Alfred   Siegerland und Nederland, Zweite Auflage, Siegen 1981
Pallmann, H.   Sigmund Feyerabend, sein Leben und seine geschäftlichen Verbindungen, aus: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 7. Band S. 231, Frankfurt/M. 1881
Schnorr von Carolsfeld, F.   Julius Wilhelm Zincgrefs Leben und Schriften, in Archiv für Litteraturgeschichte,
VIII. Bd. S. 1 - 58 und S. 446 - 490 (1879)
Wagner, K.    Simmern im Wandel der Zeiten, Simmern 1930 und unveränderter Nachdruck, Argenthal 1995
Zülch, W. K.   Frankfurter Künstler 1223-1700, Frankfurt/M. 1935
 

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